AutoBild sportscars 11/2018

29.10.2018

Den Verzicht auf mehr als vier Zylinder hat sich Volvo selbst auferlegt. Doch kommt selbst der XC60 mit dem Downsizing gut zurecht. Für mehr Kraft, Emotionen und Sound gibt es den Haustuner HEICO SPORTIV.

Vor vier Jahren wurde bei Volvo eine radikale und clevere Entscheidung getroffen: Fünf- und Sechszylindermotoren fliegen aus dem Programm, fortan gibt es nur noch einen Vierzylinder-Block mit 1969 cm3 – für Diesel und Benziner gleichermaßen. Auch das Verbrenner-Topmodell XC60 T6 begnügt sich mit zwei Liter Hubraum, aus denen es 310 PS generiert. Volvo-Haustuner HEICO SPORTIV macht daraus 340 PS – und dreht noch ein bisschen weiter an der Sportschraube.

Wo Volumen fehlt, müssen Hilfsmittel her. Im Fall des XC60 T6 ist es eine doppelte Aufladung, die dem SUV aus Schweden Temperament einflößt, Ausgleichswellen verbessern die Laufruhe des Vierzylinders, nur der Klang bleibt ab Werk etwas dürftig. Das kann man einem SUV nachsehen, oder auf eine Nachrüstlösung von HEICO setzen – dazu gleich mehr.

Unter 3500 Touren arbeitet im T6 ein Roots-Kompressor, der in den für Turbos ungünstigen Drehzahlniederungen ansatzlos für Druck sorgt. Ab 3500 Touren beginnt der ideale Arbeitsbereich für den abgasgetriebenen Lader, der Kompressor wird ausgekuppelt. Im Fahrbetrieb funktioniert das Lader-Duo so verschliffen, dass man weder den Übergang noch überhaupt einen Einsatz richtig spürt.

Über ein Zusatzsteuergerät greift HEICO SPORTIV in die Elektronik ein und bringt 30 weitere Pferde in Stellung. Der Antritt des HEICO wirkt so noch etwas leichtfüßiger, ansatzlos ist er ohnehin. Durch die Kraftkur verbessert sich auch der Durchzug, der schön sämig rüberkommt. Locker und unangestrengt wirkt das, der Vierzylinder gefällt auch nach dem Tuning durch seine souveräne Leistungsentfaltung. Im Vergleich zur Werksangabe für das Serienmodell verbessert sich der Sprint auf 100 km/h von 5,9 auf 5,8 Sekunden.

Wem der Sound zu dürftig ist, wird ebenfalls bei HEICO fündig. Für 2440 Euro steht dort ein Edelstahl-Endschalldämpfer mit Soundprozessor in der Preisliste, Selected Sound genannt. Es soll einen V8-Klang simulieren, also die Anzahl der Zylinder akustisch-virtuell verdoppeln. Beim Anlassen des Motors ist das System automatisch aktiv und sorgt für einen bassigen, kräftigen Sound, der bei höheren Drehzahlen kerniger wird. Für unsere Ohren hat das Ganze eher einen Hauch von Boxersound, simuliert aber auf jeden Fall mehr Hubraum-Volumen. Ob man das haben muss, ist letztlich Geschmackssache.

Hand angelegt hat Tuner HEICO auch beim Fahrwerk. Das beginnt mit den serienmäßigen Rädern in der Dimension 235/55 R19, die HEICO gegen Zuzahlung von 4260 Euro gegen 22-Zöller im Breitformat 285/35 austauscht. Dadurch leidet etwas der Abrollkomfort, doch beim Handling gewinnt der XC60 dadurch an Rückmeldung in der Lenkung und lenkt etwas schärfer ein. Gut stehen dem großen Schweden die 22-Zöller natürlich schon.

Ein weiterer Eingriff betrifft das optionale aktive Luftfahrwerk (2270 Euro), auf dem das HEICO Selected Level-Fahrwerk (1843 Euro) aufbaut. Die Tieferlegung um 30 Millimeter sorgt vor allem in Kombination mit den optionalen Rädern für eine sportlichere Optik, einen niedrigeren Schwerpunkt und weniger Seitenneigung. Das Handling wirkt dadurch etwas sportlicher, als man es von einem mächtigen SUV erwartet.

Kritik gibt es auch, doch die betrifft nicht HEICO, sondern Volvo. Zum einen erfordert der vorwitzige Auffahrwarner gute Nerven, wenn er lautstark losschlägt. Daneben torpediert der in Fahrt schwer bedienbare Touchscreen die Sicherheitsbemühungen der Firma Volvo.

FAZIT
Fahrspaß mit vier Zylindern in einem SUV? Geht durchaus, wie Volvo und HEICO mit dem XC60 zeigen. Leistungsmangel muss man nicht fürchten, denn die Kombination aus Kompressor, Turbo und der HEICO-Leistungssteigerung funktioniert sehr gut. Das modifizierte HEICO-Fahrwerk bringt einen Zugewinn an sportlichem Handling, fordert aber leichte Abstriche beim Fahrkomfort.